kritiken

 

 

"Im Zentrum dieses filmischen Porträts stehen drei Männer aus drei Generationen einer Familie und die schwierigen und einzigartigen Dynamiken der Vater-Sohn-Beziehung."

Frankfurter Neue Presse

 

"...Eine eigenwillige Mixtur aus schnurrigen Weisheiten der Alten und einer surreal anmutenden Ortserkundung, die an Kinderträume erinnert und verschmilzt mit Einlagen eines Knabenchors, tänzerischen Elementen und einer überraschend leichten (gelegentlich sichtbar gespielten) Vibrafon- und Tangomusik. Alexander Scheers und Thomas Thiemes geprüfte Hörbuch-Stimmen schaffen Distanz zum allzu Privaten. Das ewige "Kind im Mann" wird von einem vielleicht vierzehnjährigen androgynen Jungen (David Rischin) dargestellt, der sparsam gestisch männliches Probeverhalten durchspielt. (...) Männlichkeit, so Jan Schmitts These, hat viel mit wohlverstandener Vaterschaft zu tun. Sein Zeuge ist der Schlagerheld Gunter Gabriel, der auf einem Pferd sitzend an seinen prügelnden Vater erinnert und die Losung ausgibt: "Brutalität ist Schwäche."

Claudia Lenssen, taz

 

"Die Familie wohnt gleich über dem Paradies." Schon zu Beginn ein zart poetischer Satz aus dem Off, der Jan Schmitts feinfühligen, zweiten Langfilm "Mein Vater, sein Vater und ich" charakterisiert. "Paradies" heisst nämlich auch die zentrale, bürgerliche Gaststätte in diesem essayistischen Wunder von einem zeitgemässen Dokumentarfilm. (...) Nicht weniger als hundert deutsche Jahre werden in Jan Schmitts grossartigem Mosaikfilm verhandelt, der in seinen besten Momenten an Dominik Grafs avantgardistisches Metropolen- und Vater-Sohn-Projekt heran reicht (München - Geheimnisse einer Stadt) (Das Wispern im Berg der Dinge). Souverän gesprochen von Großmime Thomas Thieme und Jung- wie Theaterstar Alexander Scheer, zwei weiteren Glanzlichtern dieses wirklich aussergewöhnlichen Dokumentarfilmprojekts, das zum Grossteil per Spenden und Crowdfunding, ergänzt durch Mittel des ZDF-Kreativitätsfonds, auf eigene Faust des Regisseurs entstanden ist. Daraus wurde ein echtes filmisches Unikum geboren..."

Kino-Zeit.de, Simon Hauck

 

"Ein fesselnder Film über diese ganze vertrackte Generation, über Männlichkeitsbilder, Rollenverhalten und auch über Mannheim... es ist ein Dokumentarfilm, es ist aber auch ein künstlerischer Experimentalfilm - ein sehr persönliches Werk von Jan Schmitt, der schon vor Jahren von sich Reden gemacht hat mit "Wenn einer von uns stirbt, geh' ich nach Paris" - ich bin tief bewegt davon."

Knut Elstermann, RBB Radio Eins

 

"Wo komme ich her, wo gehe ich hin: Selten ist darüber derart sensibel nachgedacht worden, wie von Jan Schmitt in "Mein Vater, sein Vater und ich" (...) Am typischen Beispiel seines eigenen Vaters hat sich Schmitt an eine Studie über jene Männergeneration gewagt, deren Psyche als Kinder und Jugendliche durch den Kriegseinsatz zerstört wurde. Männer, die – vor der Zeit gealtert – nach 1945 versuchten, zu vergessen und das misslang. Das hat bis jetzt in dieser Genauigkeit noch kein anderer Film beschrieben. Er führt gleichzeitig vor, dass filmische Innovation zur Zeit vor allem im Dokumentar- und weniger im Spielfilm stattfindet."

Herbert Spaich, SWR 2 Kultur

 

"Es geht Jan Schmitt nicht um Daten und Fakten, sondern er spürt etwas Universellem nach. Wie weit gleicht er seinem bereits verstorbenen Vater, wie viel hatte der von seinem Vater? Wie sehr prägt sich über die Rolle des Vaters das Männerbild? Dabei hinterfragt Schmitt, der sich mit dem Bruder des Vaters und dessen ehemaligen Freunden unterhält, die traditionelle Rolle ebenso wie die im Wandel. Die autobiografische Dokumentation, die den Zuschauer aus dem Off und mit einer Figur eines Jungen, der zwischen Kindheit und Erwachsensein steht, leitet, bricht die Erkenntnisse mit einem Lächeln, ist dabei frech und verspielt, und kann sich ganz auf die ruhige Kameraarbeit von Ines Thomsen (Ein Papagei im Eiscafé) verlassen."

Cineart - Magazin für Filmschaffende

 

"Jan Schmitt ist für eine sehr ungewöhnliche, originelle Forschungsreise in Sachen Väter in seine Geburtsstadt Mannheim zurückgekehrt und hat ein dokumentarisches Essay über Mannsbilder aus drei Generationen gedreht. (...) Seine stilistisch eigenwillige, zur Musik von Oli Bott montierte Spurensuche... kreiselt um gesellschaftliche Themen wie Fremdheit, Nähe, Rollenverständnis, Legendenbildung oder schlicht das Kind im Mann."

Peter Müller, Wiesbadener Kurier

 

Der Regisseur Jan Schmitt konnte für "Mein Vater, sein Vater und ich" (Kinostart: 14. Januar) keinen der beiden schon lange verstorbenen Männer mehr befragen. Darum unterscheidet sich sein Film formal stark von dem rein dokumentarischen Stil von Jonas Rothlaenders "Familie haben" (Kinostart: 7. Januar), doch der inhaltliche Ansatz ist sehr ähnlich. Auch Schmitt will wissen, wie viel vom Erbe des Vaters und des Großvaters in ihm steckt; auch seine persönliche Suche weitet sich zu einem Epochenbild, das sich aber aus vielen Elementen zusammensetzt: aus Dokumentarmaterial zur Rolle des Großvaters im "Dritten Reich", aus inszenierten Szenen, aus Gesprächen mit Freunden des früh aus dem Familienleben verschwundenen Vaters. "Mein Vater gehört zur Generation der abwesenden Väter, emotional abwesenden Väter. Auch wenn er da war, war er emotional abwesend. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Kinder der nächsten Generationen", meint der 1967 in Mannheim geborene Schmitt. Er hält sich selbst stärker aus dem assoziationsreichen Film heraus, als es der Titel vermuten ließe, schickt aber in den fiktiv-experimentellen Sequenzen einen kleinen Jungen durch diese Männerwelt als seinen Stellvertreter, der mit wachem Blick die überkommenen männlichen Rollenbilder durchschaut. Schmitts kluger Essay ist eben auch ein Film der Selbstvergewisserung. Sicher ist es kein Zufall, dass diese Filme von sensiblen, sich selbst befragenden Männern gedreht wurden, von den Söhnen und Enkeln, deren Verantwortungsgefühl sich so sehr vom Egoismus ihrer Großväter und Väter unterscheidet."

Knut Elstermann, Berliner Zeitung

 

"Eine anderthalbstündige Collage aus Eindrücken, Erinnerungen und Fundstücken aus dem Familienalbum, die dem Zuschauer viel gedanklichen Freiraum lässt, während sie ruhig und durchdacht ihre Fragen danach formuliert, was es bedeutet, ein Mann zu sein (...) mit klarem Blick auf die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse und selbst in den privatesten Momenten ist es nie eine selbstreflexive Nabelschau."

Mannheimer Morgen, Bernd Mand

 

"Die Dokumentation dieses Nachkriegsmännerbildes ist eingebettet in den Schauplatz Mannheim und emotional berührende Zeitzeugenberichte einerseits und in eine filmisch-lyrische Erzählweise andererseits. Jan Schmitt plädiert als Film-Künstler für einen neuen Realismus und hat seine Dokumentation nicht als distanzierte Fakten-Nacherzählung angelegt. Vielmehr führt die Traumgestalt eines Jungen an die Orte des Geschehens und durch den Film, ohne zu moderieren. So bekommt die oft entblößende Dokumentation nicht nur eine geschichten- und märchenhafte Attitüde, sondern auch eine emotional berührende Form. Die geschichtliche Wirklichkeit und das persönliche Erleben jener Wirklichkeit quasi mit kindlichen Augen ermöglicht dem Zuschauer ein fühlendes Eintauchen in das, was damals verletzt hat und heute nur Geschichte ist."

Wormser Zeitung

 

Zuschauer nach der Vorführung auf dem 11. Festival des deutschen Films 2015

 

"Kompliment an den Film, mir hat er gut gefallen, obwohl ich nicht wirklich ein Freund von Dokumentationen bin. Schön eingefangene Szenen mit so vielen fast schon methaperreichen Botschaften, einer mitreisenden Erzählstimme, die durch den Film führt und immer diese Leichtigkeit mit dem Segelflugzeug, machen diesen Film recht gelungen. Diese Beziehungen zu Vater, Opa und Sohn konnten Sie prima verbinden. Diese Generationsunterschiede wird es immer geben, da sich auch die Zeit verändert."

Elisabeth Sester, Ludwigshafen

 

"Sie haben eine frische und originelle Art zu erzählen - und erzählen zu lassen , sodass man im scheinbar Unspektakulären auf einmal das Besondere erkennen kann."

Eberhard Dziobek, Heidelberg

 

"Es ist eine sehr dichte, assoziative Erzählung, die zu keiner Zeit durcheinander oder unverständlich ist. Ich habe mich als 60-Jährige in all den Bildern und Erzählungen wieder gesehen. Für mich ist der Gedanke sehr wichtig, der in diesem Film auch bewußt angesprochen wird: Was macht Krieg nicht nur mit den Soldaten, die kämpfen müssen, sondern wie stark betrifft dieser zerstörerische Machtkampf auch die Generation danach."

Anette Enders, Mannheim

 

"Der Film hat mich sehr berührt. Ich finde es bewundernswert, wie offen die Weggefährten ihres Vaters gesprochen haben, wie Sie offensichtlich eine Atmosphäre von Wärme und Nähe geschaffen haben, dass sie sich so geöffnet haben. Sicherlich hat der Film bei allen Beteiligten viel ausgelöst. Und auch das finde ich großartig. Ich denke und spüre sehr oft, dass die emotionalen Folgen der Nazizeit und Weltkriege, aber auch die strenge Erziehung und der Katholizismus so weit in unsere Generation hineinreichen und immer noch viel Leid und Trauer auslösen können. Ich bewundere jeden, der den Mut hat, sich auf den Weg zu machen, diese Dinge anzuschauen. Besonders für einen Mann ist das nicht selbstverständlich."

Charlotte Sabiel, Mannheim